Der Deutsch-Französische Krieg von 1870 und die Gefechte in Loigny

Der Deutsch-Französische Krieg 1870-1871

1870 entstehen erste Spannungen zwischen Frankreich (zweites Französisches Kaiserreich) und Preußen. Napoleon III., der sich von Wilhelm I. brüskiert fühlt, erklärt Preußen den Krieg. Für den Kanzler Bismarck bedeutet ein Krieg gegen Frankreich die Möglichkeit, das Werk der deutschen Einigung zu vollenden. Der Konflikt dauert vom 19. Juli 1870 bis zum 19. Januar 1871 an.

Die Truppen werden schnell in die Flucht geschlagen. Auf die Kapitulation des Kaisers bei Sedan, am 2. September 1870, folgt die Einsetzung der republikanischen Regierung der nationalen Verteidigung, die nur kurze Zeit später um Waffenstillstand bitten muss. Der Friedensvertrag wird am 10. Mai 1871 in Frankfurt unterzeichnet.

Die Niederlage führt zur Einigung des gesamten Deutschen Reiches unter preußischer Krone. Außerdem beschließt Deutschland die Annexion der Gebiete Elsass und Lothringen, die bis zum Ende des Ersten Weltkrieges deutsch bleiben.

Die Bedeutung der Päpstlichen Zuaven

Als indirekte Folge des Krieges wird der nicht länger unter französischem Schutz stehende Kirchenstaat am 20. September 1870 von Italien annektiert, das somit seine Einigung vollendet.

Nach der Eroberung Roms werden die den Heiligen Stuhl verteidigenden Päpstlichen Zuaven in ihre Heimat zurückgeschickt. Darunter auch 600 französische Zuaven, die sich nach Toulon begeben, um sich in den Dienst der französischen Regierung zu stellen. Sie bilden das Korps der Volontaires de l’Ouest (Freiwillige des Westens).

Die Päpstlichen Zuaven werden von den Heeresführern im Geheimen gut aufgenommen: Um die kampferprobten Soldaten anzuwerben, werden politische und religiöse Streitigkeiten im Übrigen zurückgestellt. Die Männer müssen sich auf eigene Kosten ausrüsten. Da die Lager der Armee leer sind, dürfen die Zuaven ihre Uniformen behalten.

Der Krieg auf der Ebene von Beauce

Nach der Kapitulation des Kaisers bei Sedan wird am 4. September 1870 in Paris die Republik ausgerufen. Die eingerichtete Regierung der nationalen Verteidigung entscheidet, den Krieg fortzuführen. Als Reaktion wird Paris ab dem 20. September von den Deutschen belagert.

Zur Befreiung von Paris bilden sich in der Provinz Entsatzarmeen. So kommt es zur Entstehung der Armée de la Loire (Loirearmee). Trotz dieses neuen Gegners besetzen die Preußen Orléans (11. Oktober), Châteaudun (18. Oktober) und Chartres (21. Oktober). Am 9. November 1870 trägt die Loirearmee einen Sieg in Coulmiers (Loiret) davon. Orléans wird aus preußischer Hand befreit.

Die aus diesen ersten Erfolgen gestärkt hervorgehende Regierung befiehlt die Fortsetzung der Offensive in Richtung Paris. Am 1. Dezember wird Schloss Villepion zurückerobert. Am Morgen des 2. Dezembers stellt sich die Loirearmee im Gebiet von Loigny den preußischen und bayerischen Truppen.

Die Gefechte in Loigny

Am Vormittag des 2. Dezembers 1870 wird Loigny von einem Teil der französischen Truppen besetzt. Das Dorf wird jedoch sehr schnell von den Deutschen zurückerobert.  Das Schlachtfeld gerät unter heftiges Artilleriefeuer.

Aufgrund des Versagens des 51. Marschbataillons ist die Loirearmee bedroht. Angesichts der Gefahr startet General de Sonis an der Spitze von 800 Männern (darunter 300 Päpstliche Zuaven) einen Angriff in Richtung Loigny. Die unter dem Sacré-Cœur-Banner kämpfenden Männer des Generals de Sonis beweisen heroischen Mut.

Die feindlichen Truppen ziehen sich kurz zurück, um sich neu zu formieren und eine erneute Initiative zu starten. Die Franzosen weichen zurück und das Dorf und die Schlacht bei Loigny sind unwiederbringlich verloren.

Am 4. Dezember erobern die Preußen Orléans zurück. Paris kann nicht gerettet werden.

Verheerende Zahl an Todesopfern

Am Morgen des 3. Dezembers ruhen auf dem gefrorenen Boden der Gemeinde zahlreiche Verletzte, darunter Sonis und Charette, sowie Tausende von Leichnamen. Insgesamt wurden bei der bei einer Eiseskälte von -20 °C ausgetragenen Schlacht 9 000 Männer getötet oder verletzt.

Die Zivilisten kehren in ein teils zerstörtes Dorf zurück. Sie sehen sich plötzlich mit der Rettung von Verletzten und behelfsmäßigen Bestattungen konfrontiert.

Der heroische Angriff war vergebens. Der verletzte und schließlich beinamputierte Sonis bleibt 40 Tage lang zur Genesung in der ehemaligen Pfarrei des Dorfes. Dem verletzten und in Gefangenschaft geratenen Charette gelingt schnell die Flucht.